Weltfriedensdienst e.V.

Wüste in Lebensraum verwandeln

Ein Drittel der Landfläche der Erde ist von Verwüstung bedroht. Das Bundesumweltministerium räumte erst am 18. Juni 2018 ein, dass Deutschland von seinen Klimaschutzzielen für 2020 weiter denn je entfernt ist. Schlechte Nachrichten für die Trockenregionen der Erde. Überwiegend Kleinbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden sind von den Folgen betroffen. Genau von hier kommen aber auch Ideen und praktische Erfahrungen, wie eine Anpassung erfolgreich bewältigt werden kann. Um das vorzustellen, war Julious Piti aus Simbabwe in Berlin. Er war Mitbegründer und lange Jahre Mitarbeiter der WFD-Partnerorganisation CELUCT. Gemeinsam mit dem Forum Umwelt und Entwicklung, Brot für die Welt und der Grünen Liga hatte der Weltfriedensdienst am 13. Juni im Vorfeld des Weltwüstentages zu einem offenen Fachgespräch geladen. Lesen Sie dazu mehr im Beitrag Weltwüstentag 2018.

AGRARÖKOLOGIE HEILT

Julious Piti hat sein Leben der Heilung des Landes gewidmet. Einst war der Regenwald in Mosambik seine Heimat, bis der Krieg ihn vertrieb. Er baute sich ein neues Leben in Chikukwa in Simbabwe auf. Durch falsche Landbewirtschaftung war dort jedoch trotz ausreichend Regen, Wasser knapp geworden. Die Lebensgrundlage Tausender Menschen war gefährdet. Mit einer kleinen Gruppe von MitstreiterInnen den „Fleißigen Bienen“, gelang es ihm, die natürlichen Wasserkreisläufe wieder herzustellen. Dafür setzten sie nicht nur auf Hacke und Spaten und ihr neu erworbenes Wissen über Permakultur, ein agrarökologisches Konzept. Grundlage der Arbeit waren auch zahllose geduldige Gespräche mit den Menschen, die auf dem Land leben. So gelang es, auch sie für den gemeinschaftlichen Schutz ihrer Umwelt zu gewinnen. Lesen Sie dazu die Beiträge: Wenn Wasser Trockenheit verursacht und Eine andere Welt ist möglich.

Der Erfolg machte Chikukwa schnell über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Mit Unterstützung des Weltfriedensdienst wurde dort vor über 20 Jahren ein Ausbildungszentrum für nachhaltige Landwirtschaft aufgebaut. Von überall her kamen Menschen, um von ihnen zu lernen. Julious brauchte lange, um aufzuzählen, welche Organisationen in den verschiedenen Ländern des südlichen Afrikas in das Zentrum kommen, um die Erfahrungen in ihre eigenen Länder zu tragen. „Das ist toll, was Ihr hier geschafft habt. Aber geht das auch ohne Regen?" wurde Julious – inzwischen ein international angesehener Fachmann für Permakultur – herausgefordert.

Oase in der Wüste

Nur wenige Autostunden von Chikukwa entfernt beginnt das knochentrockene Flachland von Chimanimani. Hierhin zog es ihn, um diese Frage zu beantworten. Hier gründete er eine Familie und begann das Land unter den Augen seiner neuen Nachbarn umzuwandeln. Auf der Luftaufnahme können Sie das Ergebnis sehen. Die Farm der Piti-Familie ist eine grüne Oase inmitten der Trockensavanne. Mehr und mehr Nachbarn kamen zu ihm, fragten nach, schauten sich ab, was er machte. Im Laufe der Jahre entstand eine neue Bewegung von Kleinbäuerinnen und -bauern, die mit Agrarökologie ihr Land umwandeln.

AGRAR-LERNZENTRUM FÜR TROCKENREGIONEN

Wieder kommen die Menschen von überall her, um das zu sehen und zu lernen. Chaseyama soll nach Beschluss der von Julios Piti und seinen Nachbarn gegründeten Organisation PORET ein Lernzentrum für das Potenzial von Permakultur in Trockenregionen werden. Dafür haben Julious und seine MitstreiterInnen das auf der Karte eingezeichnete Gebiet eingezäunt. Die blauen Markierungen sind Erosionsrinnen. Wenn es regnet, sammelt sich in ihnen das Wasser – aber nur für wenige Tage im Jahr. So schnell wie es kommt, fließt es dann der Neigung des Geländes folgend davon. Dieses Wasser muss genutzt werden, wie die Früchte an einem Baum.

Wasser ernten

Ziel ist es, das Wasser zurückzuhalten, damit es dort im Boden versickert, wo es gebraucht wird. So füllt es den Grundwasserspeicher auf, versorgt Bäume und macht durch die langanhaltende Bodenfeuchtigkeit sogar Ackerbau möglich. Dafür wird mit Hacke und Schaufel entlang der Konturlinien des Geländes ein weit verzweigtes Netz von Sickergräben angelegt. An zentralen Stellen, oben in der Karte schwarz markiert, werden kleine Dämme aufgeschüttet, um das Wasser aufzustauen und noch viele Monate nach dem Regen, Wasser für Bewässerung von Gärten und Feldern, als Tränke für Tiere und zur Kühlung der Luft zu haben.

ERNÄHRUNG SICHERN

Auf Feldern und Gärten wird agrarökologisches Wissen angewendet, um jeden Tropfen des geernteten Wassers auszunutzen. Verschiedene Pflanzen helfen sich in Mischkultur gegenseitig beim Wachsen, in dem sie z.B. Schatten spenden, den Boden bedecken und so vor Austrocknung schützen, Schädlinge fernhalten oder sogar Nährstoffe und Wasser aus tieferen Bodenschichten mobilisieren. Für die Menschen stellt der Artenreichtum der Pflanzen eine ausgewogene und gesunde Ernährung sicher.

"Wir betrügen uns selbst"

„Altbewährte Landwirtschaftspraktiken erlauben es Kleinbauernfamilien mit weniger als 2 Hektar Land sich selbst zu ernähren. Der großflächige Anbau von Mais, Soja und intensive Viehhaltung sind für uns keine Option! Hier profitieren nur einige Wenige, während Böden und Wasserkreisläufe über die Grenzen der Nachhaltigkeit zerstört werden.“ schlägt Julious Piti im Gespräch den Bogen zur Realität in Deutschland und anderen Standorten der Agrarindustrie. "Wir betrügen uns dabei selbst."

Mit seiner vorausschauenden und nachhaltigen Projektförderung gibt der Weltfriedensdienst Persönlichkeiten wie Julious Piti die Möglichkeit, Perspektiven für die Menschen im ganzen südlichen Afrika zu schaffen. Das ist nur mit Ihrer Spende möglich.