Weltfriedensdienst e.V.

Wenn Wasser Trockenheit verursacht

Eine Abwärtsspirale

Im traditionell regenreichen Bergland von Chimanimani, war vor 25 Jahren das Wasser knapp geworden. In der Kolonialzeit hatten weiße Farmer sich die Filetstücken des Landes gesichert. Sie sind inzwischen zum Teil von Kadern der Regierungspartei oder internationalen Investoren beerbt worden. Eine wachsende Holzindustrie nahm mehr und mehr des für die Menschen vor Ort übrig gebliebenen Gemeindelandes in Beschlag. Durch die stark gewachsene Bevölkerung erhöhte sich der Druck auf diese begrenzten Flächen zusätzlich.

Um zu überleben, fällten die Kleinbauern und -bäuerinnen zu viele Bäume. So kamen sie vorübergehend an dringend benötigtes Holz, Acker- und Weideland. Sie brannten weitflächig trockenes Gras ab, damit frisches für das Vieh nachwachsen konnte. Auf diese Weise  breiteten sich nackte, ungeschützte Böden aus, die von der Sonne steinhart gebrannt wurden. Regenwasser konnte daher nicht mehr im Boden versickern und die Grundwasserspeicher auffüllen. Ohne Nachschub trockneten die Quellen, Bäche und Flüsse aus. Wenn es regnete, flutete das Wasser die Berge herab und überschwemmte die Höfe. Dabei spülte es die fruchtbare Erde fort und schnitt tiefe Rinnen in den Boden. Die von ihrem Land abhängigen Menschen litten Hunger.
Neben dem Mangel an Nahrung, kam es auch zu Konflikten zwischen Nachbarn. Wenn eine Familie beispielsweise einen Graben aushob, um das die Berge herabstürzende Wasser umzuleiten, passierte es, dass dadurch das Land der nächsten Familie noch heftiger überschwemmt wurde, die Fluten ihren Boden wegwuschen und die Ernte vernichteten. Es kam zu Misstrauen und bösem Blut. Viele in der Gemeinschaft grüßten sich nicht mehr.

Im Haus der Tante von Julious Piti in Chikukwa kamen 1991 dreißig Kleinbäuerinnen und -bauern zusammen. Hier hörten sie zum ersten Mal davon, wie sie mit traditionellem Wissen und neuen Methoden ihr Land  heilen und damit das Wasser zurück gewinnen können...

 

Hoffnungsschimmer für Trockenregion

Der junge Julious Piti lebt inzwischen als gestandener Mann mit seiner Frau und vier Kindern drei, vier Autostunden entfernt von Chikukwa im Flachland. Hier ist es ohnehin schon sehr trocken. Zusätzlich haben die Menschen durch den Klimawandel allein im letzten Jahrzehnt so viele Dürrejahre erlebt, wie die Generationen vor ihnen in einem ganzen Leben.
Selbst in der Regenzeit, die die Anbausaison markiert, fallen Niederschläge nicht mehr zuverlässig. Folgen auf den ersten Regen längere Trockenphasen, vertrocknet die ausgebrachte Saat. Wird zu spät gesät, verdorrt am Ende die Ernte. Der richtige Zeitpunkte für die Aussaat ist zu einer Frage auf Leben und Tod für die Bäuerinnen und Bauern geworden. 
Künstliche Bewässerung, um diesem Risiko zu begegnen, ist kaum noch möglich. Denn der Save-Fluss und seine Seitenarme, die das Flachland wie Lebensadern durchziehen, sind stellenweise nur noch ein Rinnsal oder ganz ausgetrocknet. Baobab und Dornensträucher verstreuen sich über eine sandige Hügellandschaft. Vertrocknete Maisstängel und gelegentlich ein Obstbaum umgeben vereinzelte Gehöfte von Kleinbauern. Einige Familien haben Bougainvillea gepflanzt oder ihre Häuser in einer hellen Farbe gestrichen - kleine Farbsprenkler in einer ansonsten trostlosen Gegend.

Nichts bereitet eine/n Besucher/in auf den Anblick der Farm der Familie Piti vor. Eine grüne Oase taucht inmitten der gelb-braunen Landschaft auf. Eine grasbewachsene Auffahrt führt in einen regelrechten Wald aus Nahrung. „Wir nennen es einen kleinen Garten Eden“ sagt Julious Piti, bekannt als Baba Mercy (Vater von Mercy).

Dieses Paradies ist nicht nur das Ergebnis jenes Workshops im Haus seiner Tante. Es ist auch das Symbol für einen einzigartigen Prozess, der vor mehr als 20 Jahren eine ganze Gemeinde erfasste.

> Wie die Menschen in Chikukwa ihre Gemeinschaft neu erschufen, erfahren Sie hier von Julious Piti selbst.