Weltfriedensdienst e.V.

Weltwüstentag 2018

Wir nutzen Land, als wäre es eine grenzenlose Ressource und ignorieren seine Rolle in unserem Alltag. Diese „Nachlässigkeit“ bedroht unsere Nahrungsmittel- und Wasserversorgung, die biologische Vielfalt, ja sogar unsere Sicherheit. Wir alle haben es als KonsumentInnen selbst in der Hand, uns gegen  Landnahme, ungeplante Zersiedelung und übermäßigen Landverbrauch  zu stellen. Land ist eine endliche Ressource.

Zum UN Weltwüstentag werden wir daran erinnert, dass weltweit bereits ein Drittel aller Flächen durch die Degradation von Land und Böden ihren wahren Wert verloren haben. Gründe dafür sind falsche Landnutzung, insbesondere die Ausbreitung der Intensivlandwirtschaft aber auch der unkontrollierte Ausbau von Siedlungen und Städten. Der Klimawandel wirkt als Verstärker.

Vom Süden lernen

Während so weltweit jährlich 75 Mrd. Tonnen wertvollen Bodens verloren gehen, schaffen es Julious Piti und seine MitstreiterInnen in Simbabwe Land aufzuwerten. Trotz extremer Trockenheit gelingt es ihnen, darauf erfolgreich Landwirtschaft zu betreiben, indem sie Wasserkreisläufe wiederherstellen. Mehr dazu lesen sie im Beitrag: Wüste in Lebensraum verwandeln.
Es sind Projekte und Erfahrungen wie diese, die nach Auffassung des Weltfriedensdienst gehört und geteilt werden müssen. Das gilt nicht nur für den Globalen Süden, sondern gerade auch für Deutschland und die EU, denn auch hier stehen Frischwasser-Ökosysteme unter zunehmendem Druck und damit besteht die Gefahr der Verwüstung ganzer Agrar-Regionen.

Gemeinsam mit dem Forum Umwelt und Entwicklung, Brot für die Welt und der Grünen Liga hatte der Weltfriedensdienst daher im Vorfeld des Weltwüstentags 2018 und mit Blick auf die aktuelle Diskussion in den UN um das Nachhaltigkeitsziel Wasser und Sanitärversorgung zu einem offenen Fachgespräch geladen. Hier lesen Sie die vollständige Pressemitteilung [PDF].

Der UN Water Report

Nach neusten Daten der UN wird bis 2048 weltweit jeder zweite Mensch vom Wassermangel bedroht sein. 45 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts und 40 Prozent der globalen Getreideernte sind demnach gefährdet. Diese düstere Prognose stellt der aktuelle UN Water Report zum Status des UN-Nachhaltigkeitsziels zu Wasser und Sanitärversorgung (SDG 6).

Insbesondere wirtschaftlich benachteiligte und marginalisierte Menschen werden davon unverhältnismäßig stark betroffen sein. Es sei denn, es gelingt, den Druck auf die globalen Wasserressourcen zu verringern und die Degradation der natürlichen Umwelt aufzuhalten.

„Aber die Empfehlungen des UN Water Reports zur Erreichung des SDG 6 spiegeln nicht annähernd
wider, was hier auf die Welt zukommt“, sagt Helge Swars vom Weltfriedensdienst. Andrea Müller-Frank von Brot für die Welt ergänzt: „Da wird wassersparende Bewässerung angemahnt, während die Frischwasser-Ökosysteme weltweit kollabieren – vielerorts gerade auch wegen der Bewässerungslandwirtschaft. Um den Kollaps aufzuhalten, müssen dieses Jahr die Weichen gestellt werden..."

In den wahren Wert von Land investieren

Zum Weltwüstentag fordern die UN folgerichtig, Land nachhaltig zu nutzen und dies als Investition in die Zukunft zu begreifen. Angesprochen sind InvestorInnen, PolitikerInnen bis hin zu KonsumentInnen. Es geht nicht um Investments für Rendite, sondern darum Werte wie Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen als Leitprinzipien wirtschaftlichen Handelns zu verankern. Das Engagement von Julious Piti zeigt, wie Investments dieser Art aussehen können.

Er kann Ihnen aus der Praxis berichten, wie durch gutes Wassermanagement auch unter extremer Trockenheit Ökosysteme rehabilitiert und Nahrungsmittel nachhaltig angebaut werden können. Lesen Sie dazu den Beitrag Wüste in Lebensraum verwandeln.

 

Julious Piti (46) ist ein international anerkannter und erfolgreich praktizierender Agrarökologe. Seit er in den 80er Jahren vor dem mosambikanischen Bürgerkrieg floh, hat er zahlreiche Projekte in Simbabwe, Tansania, Uganda und Malawi gegründet und geleitet. Er ist Mitbegründer und langjähriger Mitarbeiter der WFD-Partnerorganisationen CELUCT (Chikukwa Ecological Land Use and Community Trust). Aktuell konzentriert er sich auf die mit Nachbarn gegründete Selbsthilfeorganisation PORET (Participatory Organic Research Extension and Training in Manicaland), Simbabwe.