Weltfriedensdienst e.V.

Wasserkrise – doch nicht bei uns!?

Das deutsche Leitungswasser ist von hervorragender Qualität und auch preislich sehr erschwinglich. Circa 300Euro kann ein Privathaushalt sparen, wenn wir von Flaschenwasser auf Leitungswasser umsteigen. Doch das könnte bald Geschichte sein und schuld daran ist die Agrarindustrie.

Eine aktuelle > Studie des Umweltbundesamtes ergab, dass Wasserversorger wegen verunreinigtem Grundwasser bald zu teureren Aufbereitungsmethoden greifen müssen, um die Wasserqualität zu sichern. Das würde Preissteigerungen von 32 - 45 % bedeuten, was bei einer vierköpfigen Familie bis zu 134 Euro jährlich wären. Grund für diese Maßnahmen sind zu hohe Nitratwerte im Grundwasser als Folge häufiger Nutzung von Gülle und Mineraldüngern auf unseren Feldern. Besonders in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten sind die Nitratwerte alarmierend hoch – diese liegen zum größten Teil in Norddeutschland, aber auch in Bayern oder Nordrhein-Westfalen.

Hauptverursacher sind dort Massentierhaltungsbetriebe und andere große landwirtschaftliche Betriebe: zu viel Gülle und zu viele künstliche Dünger erhöhen den Nitratgehalt im Grundwasser. Die voraussichtlichen Kostensteigerungen fallen dann aber auf die normalen Haushalte in Form des Wasserpreises zurück.

Bereits um November letzten Jahres ging eine Klageschrift beim Europäischen Gerichtshof ein, die Deutschland vorwarf, die EU-Nitratrichtlinien nicht ausreichend umzusetzen.

Nach jahrelangem Unwillen zu Reformen, reagierte die Bundesregierung und brachte eine neue Düngeverordnung auf den Weg, die im März 2017 in Kraft trat. Doch ExpertInnen, UmweltschützerInnen und WasserversorgerInnen gehen diese Maßnahmen nicht weit genug. Sie warnen, dass auch die strengere Düngeverordnung das Problem nicht lösen wird, da nicht weniger Gülle verwendet wird, sondern diese einfach anders verteilt wird. Der einzige Weg zum Schutz des Grundwassers ist ein Kurswechsel in der Agrarpolitik und ein Verschieben der Investitionen, weg von der industriellen, hin zu einer ökologischen und nachhaltigen Landwirtschaft.

Das ist unter Anderem eine der Forderungen einer neuen > Petition des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft.

Unser Projektpartner TSURO in Simbabwe ist da im Gegensatz zu Deutschland schon weiter: der gemeinschaftlich organisierte Schutz von Ressourcen ist dort eines der größten Anliegen und geschieht im Einklang mit der betriebenen Landwirtschaft. Mehr dazu unter: > Simbabwe: Gemeinschaftlicher Ressourcenschutz und Ernährungssouveränität