Weltfriedensdienst e.V.

Unsere Wetterzukunft – Starkregen und extreme Hitze

Überflutete Straßen und Ortschaften, zahlreiche Verletzte durch Blitzeinschläge – die Unwetterserie der vergangenen Wochen hat viele Menschen in Deutschland erschüttert. Und doch, die außergewöhnlich hohen Niederschlagsmengen sind Anzeichen eines allgemeinen Trends: Eine aktuelle Studie des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat ergeben, dass auch künftig mit einer erheblichen Zunahme von Extremwetterereignissen wie Hitzewellen und Starkniederschlägen zu rechnen ist. Damit wird auch die Gewitterwahrscheinlichkeit steigen. Während vielerorts das Risiko von Flusshochwassern und Überschwemmungen steigt, sind Regionen wie der Mittelmeerraum und die USA von ernsthaften Dürreperioden bedroht.

Die PIK-Studie stellt klar: Zwischen der Zunahme von Extremwetter-Ereignissen und Erderwärmung gibt es einen offensichtlichen Zusammenhang. Und so funktioniert‘ s: Viel Wasserdampf in der Luft bedeutet viel Regen. Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kältere Luft. Durch die steigenden Temperaturen kommt es deswegen häufiger zu heftigerem Regen und einem gleichzeitig erhöhten Gewitterrisiko.
Die Entwicklung verdeutlicht, dass der Klimawandel auch hierzulande längst spürbar ist. Schon für das Jahr 2010 lässt sich laut Dim Coumou, Co-Autor einer Analyse des PIK, eins von vier Starkregen-Ereignissen auf die Erderwärmung zurückführen – Tendenz steigend.

Neben Dürren mit ihren katastrophalen Folgen für die Nahrungsmittelversorgung treffen Überschwemmungen die Menschen besonders hart. Für Deutschland mussten allein seit 1997 drei sogenannte Jahrhundertfluten verbucht werden. Weltweit sind pro Jahr über 20 Millionen Menschen von Überflutungen betroffen und nach Schätzungen des World Resources Institute (WRI) könnten es 2030 54 Millionen Menschen sein. Feuchte Regionen wie Südostasien sind dabei besonders stark betroffen: In Indien und Pakistan bewies 2014 ein extrem starker Monsunregen sein zerstörerisches Potential. Viele hundert Tote waren die Folge.

Abgesehen von Starkregen und Unwetter gehören zu Extremwetterlagen andauernde Trockenzeiten und Hitzewellen. Auch in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Hitzerekorde mit Temperaturen über 30 Grad aufgestellt. 2015 war es teilweise so trocken, dass die sogenannten Hungersteine aus der Elbe herausragten. Hitzebedingte Ernteausfälle, Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt sowie Beeinträchtigungen in der Schifffahrt sind nur einige der Konsequenzen. Die Analyse „Vulnerabilität Deutschlands gegenüber dem Klimawandel“ des Umweltbundesamts (UBA) vom November 2015, hier anschaulich illustriert, bestätigt, dass schon 2050 mit sehr häufigen extremen Trockenperioden gerechnet werden muss.

Die aktuell schwerste Dürre in Äthiopien seit 50 Jahren ist beispielhaft für anhaltende Trockenperioden in weiten Teilen Afrikas. Auch ohne das Wetterphänomen El Niño häufen sich hier die Wetterextreme, darunter übrigens immer öfter Hochwasser und Sturzfluten.
Die knappe Versorgungslage im Allgemeinen, ein hohes Bevölkerungswachstum und strukturelle Probleme sorgen dafür, dass Länder des Globalen Südens unverhältnismäßig stark von den Folgen der Wetterextreme getroffen werden. So zeigt ein Ranking des WRI vom März 2016, dass die am stärksten von Überflutungen betroffenen 15 Länder allesamt als Entwicklungsländer kategorisierte Staaten sind. Sozioökonomische Bedingungen wie die Ballung von Mensch und Infrastruktur in besonders gefährdeten Gebieten spielen dabei für das Ausmaß der (ökonomischen) Folgen eine zentrale Rolle.

Ohnehin schon trockene Gebiete werden trockener, Niederschläge in feuchteren Gebieten kommen noch öfter vor – der Klimawandel macht unser Wetter extremer!
Auch wenn er sich in Afrika oder Südostasien schneller und verheerender bemerkbar macht als in Europa: Die Anzeichen mehren sich mittlerweile auch vor unserer Haustür dafür, dass Wasser der primäre Indikator für die Wirkung des Klimawandels ist. Zwar ist es übertrieben, den kleinsten Nieselregen auf die Erderwärmung zurückzuführen und so bedeutungsvolle Ergebnisse der Klimaforschung zu instrumentalisieren. Es ist aber entscheidend, die Verknüpfung zwischen Klimawandel und Wasseraufkommen viel stärker in den Vordergrund zu stellen.

Die Reduzierung der Treibhausgase ist für die Wasserproblematik selbstverständlich wesentlich. Der Weltfriedensdienst e.V. thematisiert aber insbesondere Verteilungsprobleme und betrachtet nachhaltiges Landmanagement für die Bekämpfung von Wasserraub und –mangel als dringend notwendig. Insgesamt muss ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser ein grenzübergreifendes Anliegen sein, mildert er doch nicht zuletzt Klimafluchtbewegungen und lokale Konflikte. Zum Schutz vor dem zerstörerischen Potential riesiger Wassermassen sind außerdem präventive städteplanerische Maßnahmen von großer Bedeutung.
Die Themen Klimawandel und Wasservorkommen bzw. –mangel sind zentrale Anliegen des Weltfriedensdienst e.V., denn Wasser ist ein essentielles Gut, das besondere Aufmerksamkeit verdient!