Weltfriedensdienst e.V.

Sommer! Sonne! Wasser?

Nicht nur in Deutschland, wo es seit Wochen kaum geregnet hat, macht sich der Klimawandel immer stärker bemerkbar. Schon seit einigen Jahren hören wir von unseren PartnerInnen im Süden, dass die Trockenheit in ihren Ländern zunimmt und es vermehrt zu Konflikten um Wasser kommt. Dieses Problem wird dadurch verstärkt, dass viele Produkte unseres alltäglichen Konsums aus Regionen stammen, die ohnehin unter Wasserknappheit leiden. Das zur ihrer Herstellung verbrauchte Wasser steht den lokalen Bevölkerungen, die der Erschöpfung ihrer Quellen oft schutzlos ausgeliefert sind, nicht mehr zur Verfügung.

Wie man wirklich Wasser spart!

Das Wasser, das zur Erzeugung von Produkten gebraucht wird, nennt man virtuelles Wasser. Im Schnitt nutzen Menschen in Deutschland auf direktem Wege 128 Liter Wasser am Tag, z.B. fürs Duschen, Waschen oder Zähneputzen. Viel größer ist allerdings die Menge an virtuellem Wasser, die wir indirekt über unseren alltäglichen Konsum verbrauchen – durchschnittlich sind das 5.000 Liter pro Kopf! Wenn Du also bereits beim Zähneputzen darauf achtest, den Wasserhahn auszudrehen, ist das super. Noch effektiver kannst Du Deinen individuellen Wasserfußabdruck aber verringern, indem Du virtuelles Wasser sparst.

10 Tipps zum Wassersparen

Hier findest Du unsere 10 besten Tipps zum Wassersparen. Viele davon wirken sich nicht nur positiv auf Deinen Wasserfußabdruck aus, sondern verringern gleichzeitig auch Deinen CO2-Ausstoß und bekämpfen damit eine Ursache der globalen Wasserkrise.

 1. Regional und saisonal einkaufen

Wenn Du beim Kauf von Produkten auf die Herkunft achtest, kannst Du Deinen Wasserfußabdruck erheblich verkleinern. Es lohnt sich zu schauen, welche Alternativen es zu Gemüse und Obst aus Ländern gibt, die unter Trockenheit leiden. Zum Beispiel haben deutsche Erdbeeren, deren Anbau wenig Wasser verbraucht, von Mai bis Anfang August Saison. Erdbeeren, die man im Winter essen kann, werden meist in wasserarmen Regionen wie Spanien angebaut. Die künstliche Bewässerung verringert die Grundwasserreserven vor Ort und der Transport erzeugt nicht nur viel CO2, sondern erhöht den Wasserfußabdruck zusätzlich. Der Kauf von saisonalem und regionalem Obst und Gemüse ist daher eines der effektivsten Mittel, um global Wasser zu sparen. Eine Übersicht dazu, was wann geerntet wird, findest Du hier.

2. Biologisch und fair einkaufen

Nicht nur der Verbrauch, sondern auch die Verschmutzung von sauberem Trinkwasser durch industrielle Landwirtschaft führt zu Wasserknappheit. Bananen werden z.B. in tropischen und subtropischen Regionen angebaut, in denen ausreichend Niederschlag fällt. Doch die Wasserverschmutzung durch Pestizide und Düngerreste ist oft stark. Bei Erzeugnissen aus biologischem Anbau ist die Gefahr der Verschmutzung deutlich geringer, da die Verwendung von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln nur eingeschränkt oder gar nicht erlaubt ist. Fair gehandelte Produkte werden vielfach von KleinbäuerInnen in ihrer natürlichen Umgebung angebaut und sind daher ebenfalls wasserschonender als ihre konventionellen Äquivalente.

3. Leitungswasser trinken
Die Qualität des Leitungswassers in Deutschland ist sehr gut – oft sogar besser als die von Wasser aus Flaschen! Wenn Du Leitungswasser anstelle von Flaschenwasser trinkst, schonst Du nicht nur Dein Portemonnaie, sondern verringerst auch Deinen Wasserfußabdruck. Es gibt Konzerne, die ungeachtet der verheerenden sozialen und ökologischen Folgen riesige Mengen an Wasser abzapfen. Sie kaufen große Landflächen, um die darauf liegenden Quellen für unser Flaschenwasser auszuschöpfen, während ganze Regionen im Globalen Süden ihren Zugang zu sauberem Trinkwasser verlieren. Doch nicht nur das – die Produktion und der Transport von Plastik- und Glasflaschen belastet massiv die Umwelt. Wenn Du also Wasser aus dem Hahn trinkst, verringerst Du ganz nebenbei auch Deinen CO2-Ausstoß und setzt ein Zeichen gegen die Vermüllung der Meere.

4. Mehr pflanzliche Nahrung essen

In einem Kilogramm Rindfleisch stecken 15.500 Liter virtuelles Wasser! Auch bei Geflügel und Schwein sind es immer noch durchschnittlich 4.300 bzw. 6.000 Liter pro Kilogramm Fleisch. Diese immens großen Zahlen kommen dadurch zustande, dass die Herstellung des Tierfutters in den virtuellen Wasserverbrauch eingerechnet werden muss. Insbesondere Massentierhaltung ist im Bezug auf die Belastung von Gewässern hochproblematisch und für die Zerstörung empfindlicher Frischwasser-Ökosysteme, z.B. durch den intensiven Anbau von Soja oder Mais, verantwortlich. Du kannst also viel Wasser sparen, wenn Du mal ein Schnitzel auslässt und zu vegetarischen oder – besser noch – veganen Alternativen greifst. Wer nicht komplett auf Fleisch und Milchprodukte verzichten, aber trotzdem Wasser sparen möchte, dem hilft es, auf Punkt 1 und 2 dieser Tipps zu achten.

5. Essen nicht wegwerfen
Mit 70 % wird der weltweit größte Anteil an virtuellem Wasser in der Landwirtschaft verbraucht. Trotz dessen werfen wir in Deutschland jährlich 11 Millionen Tonnen Nahrungsmittel weg. Damit landet auch das virtuelle Wasser in der Tonne. Wenn Du Deinen Einkauf genauer planst, machst Du einen ersten wichtigen Schritt, um Wasser zu sparen. Bevor Du Dich zum Wegwerfen entschließt, kannst Du Dein Essen außerdem teilen! Übrigens: Einige Lebensmittel sind auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar.

6. Papier und Plastik reduzieren
Nicht nur Lebensmittel selbst, sondern auch ihre Verpackungen verbrauchen und verschmutzen in der Herstellung Wasser. In einem Blatt Papier stecken 10 Liter virtuelles Wasser, in einem Kilogramm 2.000! Auf unkompliziertem Wege kann man Wasser sparen, wenn man beim Einkauf zu weniger aufwendig verpackten Produkten greift. Darüber hinaus eröffnen immer mehr Supermärkte, die komplett auf Verpackungen verzichten. Eine Karte solcher Läden in Deutschland findest Du hier. Um Papier zu sparen, lohnt es sich, beidseitig zu drucken. Auch recyceltes Papier und eine konsequente Mülltrennung helfen dabei, Deinen persönlichen Wasserfußabdruck zu verringern.

7. Kleidung ein langes Leben schenken

Muss es immer gleich ein neues T-Shirt sein? Ein T-Shirt aus Baumwolle verbraucht in der Produktion durchschnittlich 2.500 Liter virtuelles Wasser. Zwei Drittel der weltweiten Baumwollvorkommen werden mithilfe von künstlicher Bewässerung in heißen und trockenen Regionen wie Zentralasien angebaut. Auch andere Textilien, wie z.B. Leder, sind sehr wasserintensiv. In Sachen Kleidung ist daher das Kriterium der Langlebigkeit von zentraler Bedeutung. Du kannst Wasser und Geld sparen, indem Du in Second-Hand-Läden kaufst, Flohmärkte besuchst oder Kleidertauschpartys mit Freunden und Bekannten veranstaltest. Empfehlenswert ist es, auch mal einen Blick auf Anbieter ökologischer Kleidung zu werfen. Diese verbraucht oft nur halb so viel Wasser.

8. Das Auto mal stehen lassen

Die Herstellung eines PKWs verbraucht bis zu 400.000 Liter virtuelles Wasser und für die Produktion von vermeintlich nachhaltigem Biodiesel wird massiv Regenwald gerodet, welcher für den globalen Wasserkreislauf eine zentrale Rolle spielt. Durch die Benutzung von Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Car-Sharing-Angeboten kann man nicht nur seinen individuellen Wasserfußabdruck minimieren, sondern tut auch etwas Gutes für sich und das Klima.


9. Reparieren und teilen
Darf es ein Handy weniger sein? In einem Smartphone stecken durchschnittlich 910 Liter virtuelles Wasser, das vor allem zur Gewinnung der darin enthaltenen Rohstoffe verbraucht wird. Rund 30 Millionen Handys werden jährlich in Deutschland verkauft, die durchschnittliche Benutzungsdauer liegt jedoch bei nur 18 Monaten. Auch andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs haben aufgrund des Abbaus von Rohstoffen, wie Erdöl, Lithium oder Gold, einen hohen Wasserfußabdruck. Schenke Deinem Handy und anderen Gebrauchsgeständen ein langes Leben, indem Du lieber teilst und reparierst, als den Kreislauf des Kaufens und Wegwerfens zu befeuern.

10. Auf regionale Kontexte achten

Beim Sparen von virtuellem Wasser ist es wichtig, nicht allein auf die Verbrauchsmenge, sondern auch auf die regionalen Kontexte bei der Produktion zu achten. Kaffee ist mit durchschnittlich 19.000 Litern pro Kilogramm z.B. ein großer „Wasserfresser“. Da er aber hauptsächlich in niederschlagreichen Gebieten angebaut wird, ist ein hoher Konsum weitestgehend unbedenklich. Kartoffeln aus Ägypten oder anderen Trockenregionen hingegen haben mit rund 400 Litern pro Kilogramm eigentlich einen kleinen Wasserfußabdruck. Die Wasserknappheit in ihren Anbaugebieten macht jedoch selbst das zum Problem. Entscheidend ist also immer, wie die ökologischen und sozialen Bedingungen vor Ort sind.

Du beachtest schon viele dieser Tipps? Mit unserer interaktiven Wasserampel kannst Du testen, bei welchen Punkten Dein Wasserfußabdruck im grünen Bereich ist und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt.


Von Anne Schlüter