Weltfriedensdienst e.V.

schwere Dürre in Bolivien

Die UNO zählt Bolivien zu einem für die Folgen der Erderwärmung anfälligsten Ländern der Erde. Besonders betroffen vom Klimawandel ist das bolivianische Hochland, dort werden die Sommer immer trockener und die Regenzeit bleibt aus. Symbol dieser Entwicklung ist die Austrocknung des ehemals zweitgrößten Sees Boliviens, des > Poopó Sees, im Dezember 2015. Trotzdem fehlt es dem Land seit Jahren an nachhaltigen Strategien zum Umgang mit der immer knapper werdenden Ressource Wasser. 

Als sich die Wasserknappheit bis November 2016 zur schwersten Dürre in Bolivien seit 25 Jahren zuspitzte, kam es im ganzen Hochland zu Protesten, Blockaden und sogar zur Geiselnahme und Ermordung des zuständigen Vizeministers. Präsident Evo Morales suchte daraufhin mit dem Präsidentenhelikopter nach neuen Wasserquellen, rief den Nationalen Notstand aus und verpflichtete alle staatlichen Instanzen Mittel zur Verfügung zu stellen um die Wasserversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Aktionismus statt langfristige Lösung des Wasserproblems

Tatsächliche Lösungen des Wasserproblems sind damit nicht näher gerückt, vielmehr schnelle, kurzfristige Lösungen die das Problem verschieben und auf Dauer die Situation verschlimmern werden.
So wurden 20 Jahre lang in Bolivien praktisch keine neuen Wasserquellen erschlossen, während sich gleichzeitig die Bevölkerung verdoppelte und der Wasserverbrauch vervielfachte. Nun wird in La Paz, durch das Anzapfen der Wasserquellen umliegender Gemeinden, fieberhaft versucht die Wasserversorgung der Stadt zu gewährleisten, was zu Auseinandersetzungen mit den betroffenen Gemeinden führt. Am maroden Leitungssystem, in dem 30 bis 45% des Trinkwassers verloren gehen bevor es beim Konsumenten ankommt, wird jedoch kaum gearbeitet.
Ähnlich wird in Potosi vorgegangen. Nachdem der Wasserstand der Lagunen aus denen bisher der größte Teil des Wassers der Stadt kam, auf unter ein Drittel des ursprünglichen Standes gesunken war und damit nicht mehr genügend Wasser zu Versorgung der ganzen Stadt zur Verfügung stand, wurde mit dem Bau einer zusätzliche Leitung zum San Juan Fluss begonnen. Durch das Abpumpen zusätzlichen Wassers wird der San Juan in absehbarer Zeit nicht mehr genug Wasser für die landwirtschaftlich geprägten Gemeinden am unteren Flusslauf führen. Konflikte sind vorprogrammiert.

Verantwortungsvoller Umgang mit Wasser nicht absehbar

Trotz der Wasserknappheit genießen Minenbetriebe weiter Vorrang bei der Wassernutzung, ohne dass dies mit irgendwelchen Verpflichtungen oder Auflagen verbunden wäre. Leitungspositionen bei den staatlichen Wasserbetrieben werden entlang politischer Allianzen und nicht nach fachlichen Gesichtspunkten besetzt. Wiederaufforstungsprogramme, besonders in den Quellgebieten der Flüsse, oder Maßnahmen gegen die rapide zunehmende Bodenversiegelung sind nicht in Sicht. Gleichzeitig gehen traditionelle Formen zum Wassermanagement immer mehr verloren, wassereffiziente Landwirtschaft wird kaum praktiziert.

Unser Kooperant vor Ort, Heiko Flink, berichtet: "In der Stadtbevölkerung scheint es oft noch kein Bewusstsein über die Wasserknappheit zu geben. Wassersparende Wasserhähne, Duschen oder Klospülungen gibt es nicht. In Potosi, wo das Wasser seit Oktober immer mehr rationiert wird und es mittlerweile nur wenige Stunden pro Woche fließend Wasser gibt, sieht man wie einige Hausbesitzer den Gehsteig und die Straße vor ihrem Haus regelmäßig mit eimerweise Wasser reinigen.
Der wahllose Bau von Staudämmen und Wasserleitungen sowie die Erschließung neuer Quellen wird die mangelnde Versorgung der Bevölkerung mit Wasser nur kurzzeitig und scheinbar lösen."

Es müssen endlich nachhaltig Konzepte zum Wassermanagement entwickelt werden, sonst wird es vor dem Hintergrund der zunehmenden Klimaerwärmung und deren Folgen, steigender Bevölkerungszahlen und dem damit verbundenen Anstieg des Wasserbedarfs, zur Verstetigung des Wassermangels und zunehmend zu Konflikten kommen.