Weltfriedensdienst e.V.

Kapstadt vor dem Notstand

Die Trinkwasserversorgung in Kapstadt steht kurz vor dem Zusammenbruch. Eine lange Dürre hat die Wasserreserven der südafrikanischen 4-Millionen-Metropole buchstäblich ausgetrocknet. In den wohlhabenden Gegenden der Stadt erleben die Menschen zum ersten Mal, was in den Townships Alltag ist. Das Wasser wird rationiert, zum Teil ganz abgestellt. Die Sicherheitskräfte rüsten sich für den "Day Zero", den Tag an dem das Wasser ganz abgestellt wird - ein Szenario, das wahrscheinlich auf dem Höhepunkt der Trockenzeit zwischen März und Mai 2018 eintritt. Die Stadtverwaltung hat wenig tragfähige Ideen, wie sich die Katastrophe abwenden lässt.

Tag für Tag verbrauchen Kapstadt und die umliegenden kleinen Gemeinden 665 Millionen Liter Wasser, die Landwirtschaft noch einmal die gleiche Menge. Damit "Day Zero" erst Ende Mai eintritt, muss der städtische Verbrauch durch die Rationierung um täglich 100 Millionen Liter gedrückt werden und bis Februar zusätzliche 200 Millionen Liter Wasser täglich herangeschafft werden. Dafür sollen u.a. neue Grundwasserreservoire erschlossen, eine Wasserentsalzungsanlage in Betrieb genommen und Wasser recycelt werden. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass die Umsetzung all dieser Vorhaben in den nächsten Wochen gelingt. Die Bemühungen der letzten Monate stellen gerade einmal 7 Millionen Liter pro Tag aus neuen Quellen zur Verfügung.

Wie plant die Stadt für den "Day Zero"?

In den sogenannten informellen Siedlungen in und um Kapstadt lebt die Hälfte der Bevölkerung. Die wenigsten haben fließendes Wasser in ihren Haushalten. Ihre Versorgung über Wassersammelstellen soll wie bisher weitgehend gewährleistet bleiben. Im Rest der Stadt sollen 200 Wassersammelstellen für die andern 2 Millionen Kapstädter eingerichtet werden - eine gigantische logistische Herausforderung. Kleinere Speichertanks für die privaten Haushalte sind überall in der Stadt ausverkauft. Für einige Wasserstellen wird Wasser vorraussichtlich mit Tankwagen angeliefert werden müssen. Um sicherzustellen, dass schutzbedürftige Gruppen Zugang zu Wasser haben, sollen besondere Vorkehrungen getroffen werden. Zur Versorgung von Krankhäusern wurde z.T. begonnen, eigene Brunnen zu bohren. Darüber, wie alles im Detail funktionieren soll, wissen die Menschen jedoch vier bis sechs Monate vor "Day Zero" wenig.

Selbst wenn es in der kommenden Saison wieder normal oder überdurchschnittlich regnen sollte, würde es drei bis vier Jahre dauern, bis sich die Pegel von Grundwasserreservoiren und Stauseen wieder normalisieren. Der Klimawandel führt in der Region um Kapstadt jedoch zu kürzeren und weniger ergiebigen Regenzeiten. Kapstadt hat es also nicht mit einem vorrübergehenden Problem zu tun.

Kapstadt ist nur die Spitze des Eisberges

Das südliche Afrika gehört zu den wasserärmsten Regionen der Welt. Der Klimawandel ist hier bereits Realität. Südafrika verbraucht jährlich 38 Milliarden m³ Wasser mehr als eigentlich verfügbar ist, lebt also von seinen Reserven. Das Grundwasser dauerhaft anzuzapfen, bringt jedoch Probleme mit sich. In Küstennähe droht z.B. das Einsickern von Salzwasser. Seit Jahrzehnten fehlen Investitionen in die Infrastruktur der informellen Siedlungen, die Tag für Tag größer werden. Fäkalien und Abfälle verschmutzen die wenigen vorhandenen Wasser-Reservoire. Die Finanzierungslücke für Wasser und sanitäre Grundversorgung wird vom Parlament auf jährlich rund 2 Mrd. Euro beziffert. Wichtige Wasser-Einzugsgebiete werden zugebaut. Bergbau-Industrie und Landwirtschaft belasten die Gewässer.

Die Städte sind in der Regel so geplant, dass Niederschläge schnell abgeleitet werden und das Wasser in die Flüsse und ins Meer bringen, um Überschwemmungen zu vermeiden. Hier muss das Wassermanagement komplett neu gedacht werden. Es braucht Konzepte, das Regenwasser für den Einsatz in Trockenzeiten aufzufangen.   

Unsere Partnerorganisation STEPS greift in seiner Arbeit immer wieder aktuelle gesellschaftliche Konflikte auf. So unterstützen sie mit ihrer Arbeit u.a. südafrikanische Menschenrechtsorganisationen und Bürgerbewegungen, die sich für den Schutz ihrer Umwelt und den Erhalt von Frischwasser-Ökosystemen einsetzen. Als Kapstädter stecken die MitarbeiterInnen selbst mitten drin in der Wasserkrise. Dass diese nun erstmals Reich und Arm betrifft, eröffnet auch die Chance auf Lösungen für alle BewohnerInnen der Stadt. Dafür wird STEPS seine Fähigkeiten einsetzen.