Weltfriedensdienst e.V.

Interview mit Backson Muchini von TSURO

 

Wir haben Dr. Backson Muchini, den Projektleiter unserer Partnerorganisation TSURO in Simbabwe interviewt. TSURO arbeitet in dem Distrikt Chimanimani im Osten Simbabwes. In der Projektregion fördern sie Strategien einer nachhaltigen Landwirtschaft als Ernährungssicherung.

In dem Interview spricht Muchini über Stragtegien, um alle Menschen an der Umsetzung zu beteiligen.

Mit welchen Auswirkungen des Klimawandels seid ihr bei TSURO konfrontiert?

Am Meisten haben wir mit der allgemeinen Armut zu kämpfen. Die Menschen leiden unter enormer Nahrungsmittelknappheit und geringer Entlohnung. Das hat viel damit zu tun, dass die Auswirkungen auf die Umwelt hauptsächlich die KleinbäuerInnen treffen, welche den größten Teil der Gesellschaft in Chimanimani ausmachen.

Es herrscht ein enormer Druck auf die Umwelt in unserem Distrikt Chimanimani, sodass es den Meisten schwer fällt, sich zu versorgen. Die Erwärmung des Klimas ist hier durch Regenausfälle und Dürren deutlich zu spüren. Auch der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter und der Zugang zu Trinkwasser wird knapper. Die Bewirtschaftung der Felder und die Versorgung der Nutztiere sind zu einem großen Problem geworden.

Der Klimawandel führt in Chimanimani zu tiefgreifenden sozialen Problemen.

Gerade in Notsituationen ist es schwierig, Zugang zu den Menschen zu bekommen und sie einzubinden. Wie schafft ihr es bei TSURO, so viele Menschen zum aktiven Umweltschutz zu motivieren?

Der Grundsatz unserer Arbeit liegt dem „Bottom-Up“-Ansatz zugrunde. Um unser Handeln auf die Bedürfnisse der KleinbäuerInnen zu fokussieren, nutzen wir einen stark partizipativen Prozess, um diese mit einzubinden.

Denn gerade die KleinbäuerInnen sind es, die die Auswirkungen der Globalisierung zu spüren bekommen und diese identifizieren können. Sie werden im Alltag der KleinbäuerInnen erlebbar und erschweren diesen zutiefst. An diesen Auswirkungen arbeiten wir unter einem Multi-Stakeholder Ansatz. Viele Probleme können durch Mobilisierung und unter Einbindung aller AkteurInnen angegangen werden. Um diese voranzutreiben, arbeiten wir auch erfolgreich mit sozialen Medien, um die Kernfragen anzugehen.

Wie setzt ihr nachhaltiges Landwirtschaften praktisch um?

Die Kernarbeit findet in den Gemeinden statt. Menschen schließen sich zusammen und tauschen sich über die Probleme aus, die sie direkt betreffen. So gestalten sich die Formate sehr vielfältig. Unter anderem haben sich Gruppen mit den Themen Gesundheit und psychischer Unterstützung gebildet. Aber auch Klima- und Landwirtschaftsaktionsgruppen oder Zusammenschlüsse für Wasser-Management sind aus den Prozessen hervorgegangen.

Der Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels gestaltet sich stark individuell und unterschiedlich, je nachdem was in der Gemeinde ein zentrales Problem darstellt. In dieser gemeinschaftlichen Arbeit wachsen Menschen enger zusammen. Das Arbeiten an gemeinsamen Problemen trägt zu einem besseren Verständnis untereinander bei und ermöglicht eine wirksame Arbeit. Außerdem fördert TSURO regelmäßige Wahlen in den Gemeinden, die zu einem basisdemokratischen Prozess und zur Mitbestimmung vieler beitragen. Bei solchen Wahlen wird bestimmten Personen mehr Verantwortung in der Planung und Leitung von Aktionsgruppen zugetragen.

Der ökologische Wandel ist für uns Menschen notwendig. Wie schaffen wir es, dass alle an diesem Wandel teilhaben und profitieren können?

Die meisten Auswirkungen von nachhaltigem Handeln brauchen Zeit, bis sie deutlich spürbar werden. Erst wenn die Menschen selbst daran mitwirken, nehmen sie die positiven Auswirkungen viel stärker wahr und fühlen sich verantwortlich. Wenn Leute mobilisiert werden und die Einflüsse ihres Handelns verstehen, wenn Leute selbst die Bedingungen in ihren Gemeinden steuern, dann werden die Zusammenhänge deutlich. Es wird deutlich, was das Ändern des eigenen Handelns bewirken kann. Der Schlüssel ist also, die Probleme in den Blick zu nehmen, die die Leute im Alltag beschäftigen und die sie am meisten betreffen. Die Betroffenen dann in Lösungsansätze mit einzubinden, schafft gute Voraussetzungen für eine bessere Lebensgrundlage.

Interview: Mattea Mentges