> Durst! - Stoppt den Wasserraub!

Weltfriedensdienst e.V.

Fliegende Flüsse – Bedrohte Lebensader

Südamerikas „Fliegende Flüsse“ versorgen das Innere des Kontinents mit reichhaltigen Niederschlägen. In luftiger Höhe führen Sie dabei genau so viel Wasser wie der gesamte Amazonas mit all seinen Nebenflüssen. Doch wegen der Abholzung des tropischen Regenwaldes im Amazonasbecken, droht ihre Quelle auszutrocknen. Mit schwerwiegenden Folgen für die Wasserversorgung des gesamten Kontinents. Der Weltfriedensdienst hält mit seinem peruanischen Projektpartner KENÉ dagegen.

Die Luft über dem tropischen Regenwald des Amazonas nimmt Tag für Tag 20 Milliarden Liter (20 Mio Kubikmeter) Wasser auf. Die in Wolken gebundene Feuchtigkeit zieht, getragen von Luftströmen, in einer Höhe von 3.000 Metern westwärts. Die Anden fungieren dabei als natürliche Barriere und blockieren ihr Weiterziehen. Entlang der von Norden nach Süden verlaufenden, knapp bis zu 7.000 m hohen Gebirgskette treibt der Wind die Wolken als „Fliegende Flüsse“ weiter in den Süden des Kontinents. Dort versorgen sie weite Teile von Brasilien, Bolivien, Paraguay und Uruguay sowie das nördliche Argentinien mit Regen. Auch in den Norden Südamerikas gelangen die feuchten Luftströme und regnen über Kolumbien und Peru ab.

Wälder dienen als Wasserpumpe für Fliegende Flüsse

Jede größere Waldfläche funktioniert wie eine Wasserpumpe. Über dem Meer entstehende Regenwolken schaffen es nur wenige hundert Kilometer landeinwärts, bis sie sich in Regen auflösen. Wald kann Regenwasser nicht nur wie ein Schwamm speichern, sondern auch einen Teil durch Verdunstung wieder abgeben. Ein europäischer Laubbaum „schwitzt“ beispielsweise bis zu 400 Liter Wasser an einem heißen Sommertag aus. Damit wirkt er kühlend auf seine Umgebung und trägt zur Bildung von neuen Regenwolken bei. Winde transportieren diese Wolken landeinwärts, wo sich der Kreislauf aus  Speicherung und Freigabe von Wasser durch Wälder wiederholen kann.

Das Amazonasbecken ist die mit Abstand größte Wasserpumpe der Erde. Sein Regenwald saugt vom Atlantik kommende Regenfälle auf. Etwa eine Hälfte wird an das Flusssystem des Amazonas abgegeben, die andere Hälfte verdunstet über dem dichten und vielstöckigen Blattwerk des Waldes. Ein einzelner tropischer Urwaldriese kann so bis zu 1.000 Liter Wasser pro Tag an die Atmosphäre abgeben. In den entstehenden „Fliegenden Flüssen“ Südamerikas fließt so ein Zehntel der globalen Süßwasservorkommen.

Was passiert, wenn Tropenwälder verschwinden?

Schon jetzt sind knapp 40% der Tropenwälder Südamerikas „verschwunden“. Soziale, ökonomische und ökologische Folgen reichen von der Vertreibung der indigenen Bevölkerung über sinkende landwirtschaftliche Erträge, Schwierigkeiten in der städtischen Wasserversorgung, dem Aussterben von Tier- und Pflanzenarten bis hin zu gänzlichem Bodenverlust und Versteppung.

Auch wir in Europa tragen als Konsument*innen und Produzent*innen dazu bei: Insbesondere für die industrielle Fleisch- und Milchproduktion importieren allein deutsche Erzeuger jährlich 4,5 Mio Tonnen Sojaschrot als Futtermittel. Zu deren Anbau werden jährlich rund 3 Mio Hektar Land gebraucht – eine Fläche so groß wie Brandenburg, die zum Großteil durch Abholzung von Regenwald im Amazonasgebiet und benachbarter Regionen geschaffen worden ist.

Verantwortung übernehmen. Mit starken Partner*innen.

Als Friedensorganisation arbeiten wir auf der ganzen Welt mit lokalen NGOs zusammen, die Konflikte in ihren Regionen gewaltfrei lösen und zur Verbesserung der örtlichen Lebensbedingungen beitragen. Zum Schutz und Erhalt der tropischen Regenwälder unterstützen wir gemeinsam mit Rettet den Regenwald e.V. seit einigen Jahren die peruanische NGO KENÉ (Instituto de Estudios Forestales y Ambientales). Dank ihrer ausgezeichneten Expertise, einem tatkräftigen lokalen Netzwerk und ihrem außergewöhnlichen Engagement erzielt die Umweltschutzorganisation große Erfolge durch Aufklärungs- und Informationskampagnen in den ostperuanischen Regionen Loreto und Ucayali.

Weitere Informationen: Regenwaldprojekt mit KENÉ in Peru

Autorin: S. Julia Johanna Araya