Weltfriedensdienst e.V.

Dürre in Nord und Süd

Der Klimawandel bedroht die Landwirtschaft in Nord und Süd. Auf eine Anpassung an seine Folgen und die Bekämpfung seiner Ursachen müssen sich auch deutsche BäuerInnen einstellen.

Heiß, heißer, am trockensten – so könnte man diesen Sommer beschreiben. Während noch abzuwarten bleibt, ob 2018 in puncto Hitze den Jahrtausendsommer von 2003 toppen wird, steht eines schon fest: dieses Jahr zählt zu den trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen. Für den Zeitraum von April bis Juli wurde in Deutschland noch nie ein so hohes Niederschlagsdefizit gemessen. Insbesondere im Norden und Osten des Landes hat es seit Mai kaum geregnet.

Was für Freibadbetreiber und Eisdielenbesitzer ein Segen ist, wird für viele Landwirte in Deutschland zum bitteren Fluch. Die anhaltende Dürreperiode hat schon jetzt zu massiven Ernteausfällen geführt – allein beim Getreide summieren sich die Verluste nach Schätzung auf 1,4 Milliarden Euro. In Niedersachsen, wo stellenweise nicht einmal die Hälfte des üblichen Niederschlags fiel, wird wegen Hitze und Trockenheit die schlechteste Getreideernte seit 42 Jahren erwartet. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe, die ihr Tierfutter selbst anbauen, geraten in Existenznot. Die Situation ist alarmierend. In der Pressemitteilung der > Aktionsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft liest man von Notschlachtungen.

Auf dem „Dürregipfel “ haben Bund und Länder deswegen letzte Woche über staatliche Hilfe für die LandwirtInnen beraten. Eine Milliarden Euro hatte der Deutsche Bauernverband (DBV) an Nothilfen gefordert, um das „katastrophale Ausmaß der Dürreschäden“ zu kompensieren. Ob und wieweit der Staat dem nachkommt, wird sich jedoch erst zeigen, wenn die gesamte Ernte eingeholt und das Ausmaß der Verluste vollständig abgeschätzt ist. Das EU-Beihilferecht, das diesen Vorgang regelt, greift erst ab Ertragsausfällen von 30 Prozent gegenüber dem Drei-Jahres-Mittel. Es müsste sich um einen „Notstand nationalen Ausmaßes“ handeln.

Klimawandel bedroht Landwirtschaft in Nord und Süd

Dass der Klimawandel mit seinen desaströsen Folgen in Deutschland angekommen ist, will im Sommer 2018 kaum jemand mehr bezweifeln. Doch nicht nur bei uns, sondern auch auf globaler Ebene sind Hitze und Trockenheit vielerorts so dramatisch, wie seit Langem nicht mehr. Die gesamte Nordhalbkugel – von Nordeuropa, über Nordamerika, Nordchina und Nordafrika bis hin zum Nahen Osten – erlebt derzeit extreme Wetterphänomene. Der Hitzesommer 2018 gibt einen Eindruck, wie bedrohlich die Klimakrise vor allem für die Landwirtschaft sein kann. > Weltweit werden Böden zerstört, Ernten gehen verloren und Wüsten breiten sich aus.

Während dieses Ausmaß in Nord- und Mitteleuropa neu ist, sind die verheerenden Folgen des Klimawandels in den Mittelmeer-Anrainerstaaten und auf der Südhalbkugel schon längst zu spüren. Besonders in Südasien und in afrikanischen Ländern südlich der Sahara, aber auch in Lateinamerika rauben abnehmende Wasserressourcen, Naturkatastrophen und geringe landwirtschaftliche Erträge vielen Menschen die Lebensgrundlage. Von unseren ProjektpartnerInnen wissen wir aus erster Hand, wie die zunehmende Trockenheit in ihren Ländern zu existenziellen Nöten und Konflikten um den Zugang zu knapper werdenden Wasservorkommen führt. Davon betroffen sind vor allem die Ärmsten der Armen – kleinbäuerliche Existenzen, die viel Last, aber wenig Schuld am menschengemachten Klimawandel tragen.

Der Handlungsbedarf ist groß

Wenn es so weiter geht, könnte es nach Weltbank-Studie bis 2050 weltweit mehr als 140 Millionen „Klimaflüchtlinge“ geben. Die UN gehen davon aus, dass 40 Prozent der weltweiten Getreideernte zur Jahrhundertmitte gefährdet sind. Der Handlungsbedarf ist also dringender denn je! Eine Anpassung an den Klimawandel ist ein erster Schritt, um seine Folgen zu lindern und Menschen, die schon jetzt in Not sind, zu helfen. Mit unseren Projekten, z.B. in > Simbabwe oder im > Senegal, unterstützen wir bereits KleinbäuerInnen in Trockenregionen und erarbeiten gemeinsam mit ihnen regionale Konzepte zu nachhaltiger Landwirtschaft und effektivem Wassermanagement. Es ist aber auch klar: Nur eine Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen kann die globale Erderwärmung stoppen und unsere Erde retten! Auf beides – eine Anpassung an ihre Folgen sowie eine Bekämpfung ihrer Ursachen – muss sich auch die deutsche Landwirtschaft einstellen.

Vom Süden lernen – Strategien zur Anpassung an den Klimawandel

Aufgrund der natürlichen Dynamik des Klimas wird in Zukunft zwar nicht jeder Sommer so trocken und heiß sein wie in 2018. Dennoch gehen Metrologen davon aus, dass > Extremwetterereignisse wie Dürren, Hitzewellen und Starkregen auch in Europa weiter zunehmen werden. In diesem Jahr können die deutschen BäuerInnen noch auf staatliche Nothilfen hoffen, aber langfristig müssen auch sie sich gegen den Klimawandel wappnen. Bei der Frage, wie eine nachhaltige und ertragreiche Landwirtschaft trotz extremer Temperaturen, trockener Böden und ausbleibendem Regen funktioniert, lohnt es sich, einen Blick auf Länder des Südens zu werfen, in denen schon seit einigen Jahren erfolgreiche Strategien zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt werden.
Lesen Sie dazu das Interview mit Juliuos Piti, einem international anerkannten Experten für Agrarökologie: > Permakultur ist ein Friedensprojekt. und schauen Sie sich die Bilderstrecke zu > Wasser ernten, speichern und sparen an.

Egal ob sie im Süden oder im Norden entwickelt wurden – allen Methoden zur Anpassung an den Klimawandel ist gemein, dass sie auf einem ganzheitlichen Kreislaufdenken basieren. Es geht darum, Ökosysteme zu rehabilitieren, anstatt sie weiter zu übernutzen. Das würde auch der deutschen Landwirtschaft helfen, sich besser auf Extremwettereignisse vorzubereiten.

Von Anne Schlüter