Weltfriedensdienst e.V.

Brasilien

Im süßwasserreichsten Land der Welt häufen sich in letzter Zeit die Meldungen über Wasserengpässe vor allem in großen Städten.

Der Amazonas ist der wasserreichste Fluss der Welt. Trotzdem leiden vor allem Millionen armer Amazonas-BewohnerInnen zunehmend unter Wasser- und Trinkwassermangel. In Manaus, der Millionen-Amazonas-Metropole wurde die öffentliche Wasserversorgung an ein französisches Unternehmen verkauft. 63% der Bevölkerung versorgen sich inzwischen aus selbstgebohrten Brunnen bei zweifelhafter Wasserqualität.

Im Februar 2014 erschreckte eine Meldung aus Sao Paulo die Brasilianer. Das Wasserreservoir Cantareira, das die größte Stadt des Landes mit Trinkwasser versorgt, ist derzeit nur noch zu 16 % seiner Speicherkapazität gefüllt – der niedrigste Stand seit vier Jahrzehnten. Als Gründe werden ungewöhnlich seltene Niederschläge, schlechte Planung und unzureichende Investitionen angegeben, aber auch das Versiegen der Quellen. Um eine Rationierung des Wassers zu vermeiden, hat die Stadtverwaltung die Wasserstärke, die an die Haushalte geht, um 11% verringert. Als Cantareira im Jahr 1881 angelegt wurde, versorgte das Becken 30.000 Einwohner, heute muss es für 8,8 Millionen Menschen reichen. Insgesamt ist die Bevölkerung Brasiliens um ein Vielfaches angewachsen - von 17 Millionen Einwohnern im Jahr 1900 auf 190 Millionen. Und die Bevölkerung konzentriert sich immer mehr in den großen Städten; waren es 1940 noch ein Drittel der Bevölkerung, die in den Städten lebten, waren es im Jahr 2000 drei Viertel. „Der Wassermangel kam, um zu bleiben“, titelte die Zeitschrift Epoca.

Brasilien hat sich angesichts alarmierender Prognosen zur Verknappung der weltweiten Wasserbestände bisher auf seinem Wasserreichtum ausgeruht. Doch Meldungen wie die aus Sao Paulo kommen auch aus anderen Landesteilen. Die Wasserreserven der Wasserwerke in Brasiliens Nordosten erreichten bereits Ende 2012 einen kritischen Zustand. Sie unterschritten die Sicherheitsmenge, die notwendig ist, um die Versorgung der Region zu gewährleisten. Nach Informationen des Nationalen Anbieters für elektrische Systeme (Operador Nacional do Sistema Elétrico, kurz: ONS) waren die Wasserspeicher Ende Dezember lediglich mit 32,2 Prozent Wasser befüllt. Die kritische Untergrenze liegt bei 34 Prozent. Der Nordosten Brasiliens ist schon seit Jahrhunderten eine regenarme, von Trockenheit geprägte Region. Ausgerechnet von hier stammt inzwischen ein Großteil des > nach Deutschland exportierten Kaffees, einer sehr wasserintensiven Kultur.

Im Süden und im zentralen Osten des Landes sieht die Lage nicht viel besser aus. Dort waren nach Angaben des ONS nur noch 28,8 Prozent der Speicher mit Wasser befüllt. Der kritische Punkt liegt in diesen Regionen bei 28 Prozent.

Es verbreitet sich die Einsicht, dass schon in nächster Zeit Maßnahmen für eine effizientere Nutzung von Wasser ergriffen werden müssen. Der Staat Sao Paulo ging hier mit gutem Beispiel mit einer Initiative zum Wassersparen voran. Wer Wasser spart, bekam ein Drittel der Wassergebühren erlassen. In nur einem Monat konnten so 7 Millionen Liter Wasser, oder zwei olympische Schwimmbecken voller Wasser, eingespart werden.

Allerdings werden Wassersparmaßnahmen allein nicht ausreichen. Nur wenn die Regierung auch bereit ist, den immensen Wasserverbrauch durch das nationale und internationale Agrobusiness einzudämmen, wenn Megaprojekte wie der Staudammbau von Belo Monte vorher auf ihre sozialen und Umweltfolgen untersucht werden, wird es auch in Zukunft noch genug Trinkwasser für alle Brasilianer geben.   

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