Weltfriedensdienst e.V.

Agrarinvestition. Macht. Durst.

WissenschaftlerInnen aus Schweden, Deutschland und Frankreich haben die Auswirkungen von Agrarinvestitionen in Afrika auf lokale Wasservorkommen untersucht. In ihrer > Studie weisen sie nach, dass die Bewässerung von Agrarrohstoffen zunehmend Druck auf die Wasserverfügbarkeit für Mensch und Ökosystem vor Ort ausübt. 

Seit 2000 wurden weltweit etwa 47 Millionen ha Land an transnationale AgrarinvestorInnen verpachtet oder verkauft. Afrika ist mit 22 Millionen ha dabei bevorzugtes Investitionsziel. Die Autorinnen machen vor dem Hintergrund der Globalisierung unter anderem die Ernährungs- und Energiekrise 2007-2008 und die stärkere Umwandlung von Land und natürlichen Ressourcen in eine Ware dafür verantwortlich. Nationale Regierungen, internationale Geber und InvestorInnen versprechen in der Regel positive Effekte der Investitionen in Land. Für die Modernisierung der Landwirtschaft, die Entwicklung der Infrastruktur, durch einen Technologietransfer und Jobmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Wie das in der Praxis aussieht, sehen Sie z.B. in diesem Video:  

Die Studie analysiert die Agrarinvestitionsprojekte in Afrika und stellt die positiven Effekte gemessen an den Folgen für die Wasserressourcen in Frage. Vielmehr steigen neben der Wasserknappheit auch die Risiken für gesellschaftliche Spannungen und Konflikte.

Kritischer Wasserverbrauch bei Agrarinvestitionen in Trockengebieten

Von den 22 Millionen ha werden aktuell etwa nur 0.7 Millionen ha tatsächlich von den InvestorInnen bewirtschaftet. Ein Großteil der Agrarflächen dient der Produktion von Holz oder sogenannter „flexible crops“. Darunter sind Feldfrüchte zu verstehen, die je nach Marktlage unterschiedliche Verwendung finden können, z.B. als Nahrungsmittel für Menschen, Futterpflanze für Nutztiere oder Bio-Treibstoff. Der Anbau dient fast ausschließlich dem Export.
Ein elementares Problem im Anbau ist der hohe Wasserverbrauch dieser Feldfrüchte. Das gilt sowohl für den Bedarf der einzelnen Pflanze als auch für die Intensität der Anbauverfahren. Die Autorinnen der Studie haben den Wasserverbrauch der von Investorinnen bewirtschafteten Flächen mit dem von lokal üblichen Nutzpflanzen unter lokal üblichen Anbaubedingungen (überwiegend Regenfeldbau und wenig Bewässerung) verglichen. Der Verbrauch von Wasser zur Bewässerung der überwiegend für den Export bestimmten Feldfrüchte liegt dabei um 76% bis 86% höher. Werden diese Zahlen der lokalen Wasserverfügbarkeit  gegenübergestellt, können „Hotspot-Regionen“ der Wassernutzung identifiziert werden. In diesen Regionen verbrauchen die Exportfrüchte eine kritische Menge des verfügbaren Wassers  und können so Wasserknappheit auslösen bzw. verschärfen. Dies gilt der Studie zufolge für 35% der Investitionsprojekte.

Effiziente Bewässerung könnte helfen

Die ForscherInnen vergleichen in ihrer Studie verschieden effiziente Möglichkeiten der Bewässerung, wie z.B. Tröpfchenbewässerung vs. Bewässerung über offene Kanäle. Hier gibt es erhebliches Potenzial zur Einsparung von Wasser. Jedoch selbst wenn die effizientesten Techniken zum Einsatz kommen würden, lägen noch immer etwa 18% der Flächeninvestitionen in "Hotspot-Regionen". Für den Einsatz Wasser sparender Techniken stehen nach ihren Erkenntnissen jedoch nicht Fragen der nachhaltigen Nutzung der lokalen Wasserressourcen im Vordergrund sondern betriebswirtschaftliche Faktoren, die gesellschaftliche und ökologische Kosten nicht berücksichtigen.

Besonders in den halb- bis vollkommen trockenen Klimazonen Afrikas fällt dieser Bedarf an Wasser ins Gewicht. Den Menschen und der Natur vor Ort wird die knappe Ressource Wasser streitig gemacht. Die Forscherinnen kommen dabei zu vergleichbaren Schlüssen, wie die der Weltfriedensdienst und seine Partner in der Praxis. Viele unserer Projektregionen liegen in von den Forscherinnen definierten "Hotspots".

Die Menschen in Trockenregionen unterstützen

Wesentlicher Inhalt der Projektarbeit ist darum die Vermittlung von Techniken der effizienten Wassernutzung. Darüber erfahren Sie >hier mehr. Zunehmend geht es jedoch darum, die lokale Bevölkerung im Kampf gegen Land- und Wasserraub zu unterstützen. Im Konkurrenzkampf um Wasser sind es oft die kleinbäuerlichen Familien vor Ort, die gegen die Macht ausländischer Agrar-Investoren zu den Verlierern gehören und dadurch in ihrer Existenz bedroht werden. Der Weltfriedensdienst arbeitet mit afrikanischen Projektpartnern zusammen, um die Stimme der Menschen  in jenen „Hotspot-Regionen“ zu stärken und um Konflikte um Wasser zu verhindern, die durch Agrar-Investitionen provoziert werden könnten, z.B. in Senegal. Dort stärken wir die Advocacy-Kompetenzen der Bauernverbände und tragen dazu bei, zu verhindern, dass Agrar-Investitionen das verfügbare Land und die vorhandenen Wasservorräte der lokalen Bevölkerung rauben.

> Unterstützen Sie unseren Kampf gegen Land- und Wasserraub und zur Stärkung einer Landwirtschaft, die die Menschen ernährt!