Weltfriedensdienst e.V.

23 Hektar pro Minute ...

Der Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre am 17. Juni 2015 steht unter dem Motto “Nichts ist umsonst. Investiert in gesunde Böden“. Obwohl Verschlechterung und > Verlust von Boden (Degradation) so alt sind, wie Landwirtschaft und Siedlungsbau, hat sich die Geschwindigkeit, mit der sich beides ausbreitet, vervielfacht. Inzwischen sind über die Hälfte der weltweit landwirtschaftlich genutzten Fläche mehr oder weniger stark von Bodendegradation betroffen.

In Trockengebieten führt dieser Prozess zur Wüstenbildung. Die von fortschreitender Wüstenbildung betroffene Fläche ist mit 35 Millionen km² etwa dreieinhalb Mal so groß wie Europa. Laut Angaben der UNCCD ( > United Nations Convention to Combat Desertification) gehen so jährlich weitere 12 Millionen Hektar landwirtschaftlich nutzbarer Fläche verloren. Das entspricht 23 Hektar pro Minute. Etwa eine Milliarde Menschen leben in Trockengebieten in direkter wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Land. Damit sind sie in ihrer Existenz besonders gefährdet. Sie stellen weltweit drei Viertel der ärmsten Menschen.

Düstere Aussichten für Afrika

Die UNCCD bezeichnet Desertifikation dementsprechend als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Neu ist dieses Problem für eine nachhaltige Entwicklung allerdings nicht. Doch obwohl es schon 1992 auf dem Rio-Gipfel thematisiert wurde, sind die bisher ergriffenen Maßnahmen kaum nennenswert. Entsprechend vergrößert sich die Herausforderung zum Problem. Für die nächsten zehn Jahre wird mit einer Reduzierung der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen in Afrika um zwei Drittel gerechnet. Doch gerade hier stellt Boden eine wichtige natürliche Ressource dar, mit der viele Menschen ihre Existenz sichern. Laut des > Soil Atlas of Africa stammen etwa 98% der verbrauchten Kalorien in Afrika von afrikanischem Boden. Desertifikation wirkt sich sowohl auf die Ernte von Ackerpflanzen als auch die Viehhaltung negativ aus und hat vor diesem Hintergrund direkte Auswirkungen auf die Lebenssituation der Betroffenen. Dies äußert sich beispielsweise in Form von Nahrungsunsicherheit, Mangelernährung sowie in einer erhöhten Anfälligkeit für Krisen.

Landwirtschaft ohne Land

Die Ursachen für Desertifikation sind vielschichtig. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung und Beweidung spielt eine entscheidende Rolle. Traditionelle Bewirtschaftungsformen sind verloren gegangen oder erweisen sich in Zusammenhang mit Klimawandel und Bevölkerungswachstum als nicht mehr tragfähig. Hinzu kommt eine Einbindung dieser empfindlichen Ökosysteme in die globale Wirtschaft, weil sie vorteilhafte Bedingungen für die > Produktion von Exportkulturen bieten. Hierfür werden Böden in niederschlagsarmen Regionen intensiv bewirtschaftet und weltweit große Waldgebiete vernichtet, die beispielsweise tropischen Regenwald in kürzester Zeit in eine Trockenregion umwandeln. Für arme Menschen stellt Brenn- und Bauholz zudem eine wichtige Ressource und Einkommensquelle dar. Je größer die Not der Menschen, desto weniger Rücksicht können sie auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung nehmen, was zur massiven Entwaldung von Trockengebieten beiträgt.

Während die intensive landwirtschaftliche Nutzung dem Boden Nährstoffe entzieht, verhindert die Entwaldung die Zufuhr organischer Substanzen. Das Resultat beider parallel laufender Prozesse ist zunächst ein Rückgang der Bodenfruchtbarkeit, des Reichtums an Bodenlebewesen und der Stabilität des Bodengefüges, einschließlich seiner Fähigkeit Wasser zu speichern. Dies liegt unter anderem daran, dass organische Substanzen für die Wasserspeicherung im Boden zuständig sind.

Die meisten Landwirte auf der Welt haben keine Möglichkeit diese Degradation ihrer Böden durch künstliche Düngemittel oder Bewässerung vorübergehend auszugleichen. Ohnehin schon trockenes Land wird unfruchtbar und damit nicht mehr landwirtschaftlich nutzbar.

700 Millionen Klimaflüchtlinge

Die Effekte der beschriebenen Prozesse werden im globalen Maßstab durch die Auswirkungen des Klimawandels verstärkt: Unter anderem macht sich dies in veränderten Niederschlagsverteilungen bemerkbar. Dürren und Überschwemmungen treten immer häufiger und stärker auf und beschleunigen wiederum die Erderwärmung.

Die direkten Kosten durch Desertifikationsprozesse werden weltweit auf jährlich etwa 42,3 Milliarden US-Dollar geschätzt. Obwohl Desertifikation ein Problem ist, dass sich global auf die Biodiversität und eine nachhaltige Entwicklung auswirkt, sind aktuell vor allem arme und verwundbare Gruppen in den Ländern des Globalen Südens betroffen.

Eine Strategie der ländlichen Bevölkerung als Reaktion auf diese Entwicklung besteht in der Erschließung alternativer Einkommensquellen, die außerhalb der Landwirtschaft liegen. Dies ist wiederum vor dem Hintergrund der ohnehin problematischen ökonomischen Situation in vielen Ländern des globalen Südens zu sehen. Da alternative Einkommensquellen insbesondere in ländlichen Regionen kaum verfügbar sind, ist die Migration in städtische Gebiete eine typische Anpassungsstrategie der Menschen an die sich veränderten Gegebenheiten (hierfür wird häufig der Begriff der Klima- oder Umweltflüchtlinge verwendet). Die UN schätzt beispielsweise die Zahl derer, die aufgrund von Desertifikation migrieren werden auf 50 bis fast 700 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050. Eine zunehmende Verstädterung, mit ihren negativen Aspekten, wird eine der Folgen dieses Trends sein.

Sehr anschaulich macht das Problem dieser sehr gut gemachte Animationsfilm:  

> Lasst uns über Boden reden!

Handlungsmöglichkeiten kommen dort etwas kurz. Wir haben da fundierte Ansätze und Erfolge anzubieten. Der Weltfriedensdienst arbeitet in verschiedenen Trockengebieten mit lokalen Partnerorganisation zusammen, um die Widerstandsfähigkeit lokaler Gesellschaften und Ökosysteme für Krisen zu erhöhen.
Erfolge haben wir z.B. in > Senegal und > Simbabwe vorzuweisen. In Simbabwe setzen wir mit der Kleinbäuerlichen Selbsthilfeinitiative TSURO aktuell > ein Projekt zur Rehabilitierung von Weideland um.
Der Ansatz kann eine Signalwirkung für die Trockensavannen des gesamten südlichen Afrika haben.